2.4.3 Screenreader unter Windows
Aus SUE
Unter Windows stehen mehrere Screenreader, wie Window-Eyes, Virgo, Supernova, Blindows und JAWSzur Verfügung. Die Arbeitsweise eines Screenreaders unter Windows soll exemplarisch am Screenreader Jaws der Fa. Freedom Scientific beschrieben werden.
Da diese Software in den USA entwickelt wird und dort aus verschiedensten Gründen Braillezeilen längst nicht in dem Maße Anwendung finden, wie beispielsweise in Deutschland, arbeitet dieses Produkt schwerpunktmäßig mit Sprachausgaben zusammen. Braillezeilen werden jedoch auch unterstützt.
Das System besteht aus folgenden Komponenten:
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Der zentrale Kern
Das zentrale Modul von JAWS ist ein Kernel, welcher die generelle Funktionalität bereitstellt. Er stellt dem Nutzer eine Skriptsprache zur Verfügung, mit welcher der Bildschirminhalt abgefragt werden kann. Hierzu gehören z. B. Koordinatenabfragen, die Bereitstellung von Objektinformationen, z. B. Fensterüberschriften, Icons, Menüs und der sonstigen von Windows benutzten Dialogelemente, wie Checkboxen, Radiobuttons, Eingabefelder usw.. Es existieren auch Funktionen, die die Positionierung der Maus oder des Textcursors ermöglichen. Dieses Modul übernimmt die Ansteuerung der Sprachausgabe und der Braillezeile. Da JAWS einen Com-Client enthält, kann auf Informationen zugegriffen werden, die über diese Schnittstelle zwischen Applikationen ausgetauscht werden. Dies ermöglicht beispielsweise, dass JAWS ein Excel-Diagramm beschreiben kann, da Office als Com-Server diese Informationen zur Verfügung stellt.
Die Skriptsprache
Für jede Anwendung, die benutzt werden soll, muss ein JAWS-Skript entwickelt werden, welches das Programm zugänglich macht. Der Nutzer muss darüber informiert werden, wann ein Menü geöffnet wird, wann sich ein Status ändert, wo Eingabe- oder Auswahlmöglichkeiten bestehen, was gerade bearbeitet wird und vieles mehr. Vor allem nicht dem Windows-Standard entsprechende Dialoge müssen mittels der Skript-Sprache zugänglich gemacht werden (Softcursor, Rollbalken, Menüs). Zur Entwicklung der Skripte stellt die Sprache mehr als 300 Funktionen zur Verfügung, mit welchen Informationen ausgelesen bzw. das System manipuliert werden kann. Selbstverständlich verfügt die Sprache auch über diverse Controls wie z. B. Schleifen oder Verzweigungen. Diverse Wizards, Manager und eine ausführliche Onlinehilfe stehen zur Verfügung. JAWS wird bereits mit zahlreichen fertigen Skripten ausgeliefert, so dass die gängigsten Anwendungen „out of the box“ zugänglich sind. Hierzu zählt vor allem Microsoft Office. Die Skripte werden in einer gewissen Hierarchie angeordnet. Die unterste Stufe stellt das Default-Script dar. Es unterstützt grundlegende Funktionen, wie z. B. Menüs, Mauspositionierung und Texteingabe. Darauf setzen dann die Skripte der benutzten Applikation auf. Skripte können entweder durch Tastenkombinationen ausgelöst, an diverse Events gekoppelt oder von anderen Skripten aufgerufen werden. So ist beispielsweise das Skript, welches für das Tastaturecho (Ansage der betätigten Tasten) verantwortlich ist, an einen „KeyPressedEvent" gekoppelt.
Konfigurationsmanager
Neben dem Braille- und Sprachausgabemanager verfügt JAWS über einen Skriptmanager zur Erstellung anwendungsbezogener Anpassungen, einem Fenstermanager zur Verbesserung der Zugänglichkeit nicht Windows-konformer Programme und dem Graphikmanager zum nachträglichen Beschriften von Dialogen, die unzureichend bis gar nicht getagt sind. Ein Tastaturmanager zur Definition von Hotkeys rundet das Paket ab.
Die Sprachausgabe
JAWS wird bereits mit einer internen Sprachausgabe (Eloquence) ausgeliefert, die verschiedene Sprachen und Stimmen zur Verfügung stellt. Es unterstützt die standardisierten SAPI4- und SAPI5-Schnittstellen (Speech-API), so dass alle üblichen kommerziellen Sprachausgaben angesteuert werden können. Des weiteren stehen Treiber für die meisten externen Sprachausgaben zur Verfügung.
Die Braillezeile
JAWS unterstützt die meisten Braillezeilen, da nahezu alle Hersteller ihre Ansteuerungsprotokolle offen legen. Das eingesetzte Modell wird hinter einer abstrahierten Braillezeilen-Klasse, welche die gängigsten Funktionen bereithält, versteckt. Daraus folgt, dass die Funktionalität bei einem Umstieg auf ein anderes Brailledisplay erhalten bleibt. Grundlegende Braillezeilen-Funktionen sind solche, die alle Zeilen bereitstellen müssen. Z. B. Navigations- und Brailledarstellung. JAWS sammelt die darzustellende Brailleinformation in einem Braillepuffer, der mittels der JAWS-Skripte in einem Stück an die Zeile ausgegeben wird. Das ermöglicht zur besseren Übersicht und Darstellung, dass zusammengehörige Informationen, die für Sehende an unterschiedlichen Bildschirmpositionen stehen, zunächst im Braillepuffer gesammelt und kompakt auf die Zeile gebracht werden.
Positionierung und Auffinden von Objekten
JAWS verwendet drei Positionierungobjekte, die mittels der Skriptsprache positioniert werden können.
a) Die Textmarke (Cursor): JAWS ist in der Lage, die Position der Textmarke auszulesen, zu verfolgen, sie zu positionieren und den Text unter ihr zu lesen.
b) Die Maus: Das gleiche wie für die Textmarke gilt für die Maus. Zusätzlich verfügt JAWS über die Möglichkeit, die Maustasten zu simulieren. Die Maus wird im JAWS-Jargon auch „JAWS-Cursor" genannt.
c) Der „Invisible Cursor“: Er ist ein unsichtbares Positionierungsobjekt, das JAWS dazu verwendet, Textstellen anzuspringen und anschließend diesen Text auszulesen, ohne Maus oder Cursor zu beeinflussen.
Das Offscreen-Modell
Da JAWS in erster Linie für Sprachausgaben entwickelt wurde, steht nicht die topologische Anordnung und die Formatierung des Bildschirms im Vordergrund, sondern die Wichtigkeit der auszugebenden Information. JAWS bietet zwar einen Flächenmodus und eine Art strukturierten Modus an, ist jedoch ohne diese Information vollständig bedienbar. Somit kombiniert JAWS durch die Integration der Braillezeilenunterstützung alle oben genannten Modelle. Schwerpunktmäßig wird jedoch das Selektionsmodell unterstützt, da ein anderes Modell durch alleinige Benutzung mit einer Sprachausgabe nicht vermittelbar ist.
Weblinks
Pfad: 2 Arbeitsweise Blinder und Sehbehinderter am Computer >> 2.4 Screenreader >> 2.4.3 Screenreader unter Windows

